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Die Loreley. Zwischen Mythos und Wirklichkeit.

Wo Landschaft zum Mythos wird

Rheinaufwärts von Rhens liegt einer der berühmtesten Orte des Mittelrheins. Bei St. Goarshausen rücken die Felsen dicht an den Fluss, der Rhein verengt sich auf etwa 130 Meter und der Loreley-Felsen erhebt sich hoch über dem Wasser. Landschaft, Geschichte und Literatur verbinden sich hier wie kaum an einem anderen Ort des Tals.

Ein Felsen voller Geschichten

Die besondere Lage der Loreley bestimmte ihre Geschichte lange bevor Dichter sie zum Mythos machten. Der enge Flusslauf, starke Strömungen und Untiefen machten diesen Abschnitt des Rheins über Jahrhunderte zu einer anspruchsvollen Passage für die Schifffahrt. Die UNESCO beschreibt die Loreley Enge mit etwa 20 Metern zugleich als tiefsten Abschnitt des Mittelrheins.

Doch aus der dramatischen Landschaft entstand etwas, das weit über ihre Geologie hinausreichte.

Um 1800 gab Clemens Brentano der Loreley erstmals die Gestalt einer geheimnisvollen Frau. Wenige Jahrzehnte später schrieb Heinrich Heine sein berühmtes Gedicht über die schöne Jungfrau hoch oben auf dem Felsen, deren Gesang den Schiffer ins Verderben führt.

Damit wurde aus einem Ort eine Legende und aus der Loreley eines der bekanntesten Symbole der Rheinromantik.

Der Blick über den Rhein

Heute öffnet sich vom Loreley Plateau ein weiter Blick über den Fluss und die steilen Hänge des Mittelrheintals. Von oben wird sichtbar, wie eng der Rhein hier zwischen den Höhen des Rheinischen Schiefergebirges hindurchführt.

Der Weg hinauf lässt sich mit einer Wanderung verbinden. Der Rheinsteig führt durch die Landschaft rund um die Loreley. Wer den Felsen lieber aus jener Perspektive erleben möchte, aus der sein Mythos entstand, betrachtet ihn vom gegenüberliegenden Ufer oder vom Schiff auf dem Rhein.

Gerade vom Wasser zeigt sich die Dimension des Felsens besonders eindrucksvoll.

Von der Rheinromantik zur großen Bühne

Auch kulturell ist die Loreley bis heute ein besonderer Ort. Auf dem Plateau liegt die Freilichtbühne Loreley, deren wechselvolle Geschichte bis in die 1930er Jahre zurückreicht. Seit einem Genesis-Konzert im Jahr 1976 wurde sie zu einer bekannten Bühne für internationale Rock und Popmusik. U2, David Bowie, Metallica und viele weitere Künstler standen hier bereits vor der Kulisse des Mittelrheins.

Auch heute finden regelmäßig große Open-Air-Konzerte statt. Das aktuelle Programm reicht von Pop und Rock bis zu klassischen und genreübergreifenden Produktionen.

So schreibt die Loreley ihre Kulturgeschichte weiter. Was im 19. Jahrhundert Dichter und Maler faszinierte, zieht heute Menschen wegen Landschaft, Literatur und Musik an diesen besonderen Ort.

Ein Mythos ganz nah

Von der Villa Königsstuhl führt der Weg entlang des Rheins immer tiefer hinein in das UNESCO Welterbe. Die Loreley lässt sich dabei wunderbar mit St. Goar, einer Rheinfahrt oder weiteren Orten und Burgen des Mittelrheintals verbinden.

Doch eigentlich braucht sie kein großes Programm. Auf dem Plateau stehen, hinunter auf den Rhein schauen und anschließend den Felsen vom Wasser aus erleben genügt, um zu verstehen, weshalb diese Landschaft seit mehr als zwei Jahrhunderten Künstler, Reisende und Schriftsteller beschäftigt.

Die Loreley ist Landschaft und Mythos zugleich und vielleicht der Ort, an dem die Rheinromantik bis heute am unmittelbarsten spürbar wird.